Ratgeber · 7 Min Lesezeit

CFG, Seed, Sampler: die drei Hebel von Stable Diffusion

Wie CFG Scale, Sampler und Seed zusammenspielen, welche Werte funktionieren und wo Anfänger typische Fehler machen.

In Midjourney läuft alles über zwei Flags (--stylize, --chaos). In Stable Diffusion gibt es drei wesentliche Stellschrauben: CFG Scale, Sampler und Seed. Wer sie versteht, hat 80 % der Kontrolle, die das Modell bietet.

CFG Scale: wie streng am Prompt

CFG steht für Classifier-Free Guidance. Vereinfacht: wie strikt soll die KI dem Prompt folgen, statt frei zu interpretieren?

  • Niedrig (3-5): Modell hat viel Freiheit, kreative und oft überraschende Outputs, Prompt-Anweisungen werden eher als Inspiration genommen.
  • Mittel (7-9): Standard-Sweet-Spot. Modell folgt dem Prompt deutlich, aber bleibt natürlich.
  • Hoch (10-15): Modell folgt streng, Bild kann überzeichnet, übersaturiert oder „posterisiert” wirken.
  • Sehr hoch (>15): Meist Artefakte, das Bild bricht.

Empfehlungen:

  • SDXL: CFG 7 als Standard, 5-9 als Spielraum
  • SD 1.5: CFG 7-9, weil das Modell weniger sensibel ist
  • Flux: guidance 3.5, deutlich niedriger als SD, weil die Architektur anders trainiert wurde

Wer ein Bild bekommt, das zu nahe am Prompt klebt und unnatürlich wirkt, sollte CFG senken. Wer ein Bild bekommt, das den Prompt ignoriert, sollte CFG erhöhen.

Sampler: der Iterations-Algorithmus

Stable Diffusion arbeitet schrittweise: aus reinem Rauschen wird in 20-50 Iterationen ein Bild. Der Sampler ist der Algorithmus, der entscheidet, wie jeder einzelne Schritt aussieht. Verschiedene Sampler erzeugen bei identischem Seed und Prompt leicht unterschiedliche Bilder.

Die wichtigsten Sampler:

  • DPM++ 2M Karras — derzeitiger Allround-Standard für SDXL. Stabil, scharf, gut bei 20-30 Steps.
  • DPM++ SDE Karras — etwas weicher, Variationen pro Run.
  • Euler a — schnell, oft kreativ, gut für Experimente. Konvergiert nicht (mehr Steps = anderes Bild, nicht zwingend besseres).
  • DDIM — deterministisch, gut für reproduzierbare Workflows.
  • LCM — Lightning-schnell, 4-8 Steps reichen, aber Qualität geringer.
  • UniPC — neuer Sampler, oft schärfer als DPM++ bei wenigen Steps.

Faustregel: Wer nicht weiß, was er braucht, nimmt DPM++ 2M Karras + 30 Steps. Das funktioniert für 95 % aller SDXL-Workflows.

Steps: Iterationen-Anzahl

  • <10 Steps: zu wenig, Bilder noch verrauscht
  • 15-20 Steps: Minimum für brauchbare Qualität bei DPM++ Karras
  • 25-35 Steps: Sweet Spot für SDXL
  • 40-50 Steps: marginal besser, kostet doppelt soviel Zeit
  • >50 Steps: Diminishing Returns, oft kein sichtbarer Unterschied

Flux Schnell ist eine Ausnahme: das Modell ist auf 4 Steps optimiert und liefert dabei volle Qualität. Mehr Steps bringen nichts.

Seed: der reproduzierbare Startpunkt

Der Seed ist die Zahl, mit der das initiale Rauschen erzeugt wird. Gleicher Prompt + gleicher Seed + gleiche CFG + gleiche Steps + gleicher Sampler + gleiches Modell = identisches Bild.

Praktische Nutzung:

  • Seed -1 oder random: jedes Mal anderes Bild
  • Seed fixiert: kleine Prompt-Änderungen werden vergleichbar (A/B-Tests des Prompts)
  • Seed kopieren: ein gutes Bild reproduzieren, um Variationen zu erstellen

Workflow für Prompt-Iteration: gutes Ausgangsbild generieren, Seed merken, kleine Prompt-Änderungen testen. So sieht man präzise, welcher Token welchen Effekt hat.

Das Zusammenspiel der drei Hebel

CFG, Sampler und Seed sind orthogonal — jeder steuert eine andere Dimension. Aber sie wirken zusammen:

  • CFG niedrig + creative Sampler (Euler a) → wildere Variationen
  • CFG hoch + deterministic Sampler (DDIM) → strikte, reproduzierbare Bilder
  • Sampler-Wechsel bei fixem Seed → zeigt, wie viel der Sampler beiträgt

Typischer Anfänger-Fehler: CFG hoch + Steps niedrig. Das Bild wirkt forciert UND unsauber. Lösung: CFG runter ODER Steps rauf.

Was Midjourney davon hat

Midjourney verbirgt diese Hebel weitgehend:

  • --stylize 100 ≈ CFG 7-8
  • --chaos 25 ≈ Sampler-Variation
  • --seed 1337 = Stable-Diffusion-äquivalentes Seed-Fixieren
  • --q 1 = Steps-Äquivalent

Die feinen Kontrollen sind nicht zugänglich. Das ist gleichzeitig die Stärke (out of the box brauchbar) und Schwäche (weniger Tuning-Spielraum).

Empfohlene Default-Werte

Für 90 % der SDXL-Workflows:

CFG: 7
Steps: 30
Sampler: DPM++ 2M Karras
Seed: -1 (random) bis ein guter Run kommt

Für Flux:

guidance: 3.5
steps: 20 (oder 4 bei Schnell)
seed: -1

Für extrem schnelle Iterationen mit Lightning- oder LCM-LoRA:

CFG: 1.5-2
Steps: 4-8
Sampler: LCM

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